Herbst 2026: Wenn Venus in die Tiefe führt – Verborgene Wahrheiten erkennen

Es gibt in diesem Herbst eine astrologische Konstellation, die mich besonders beschäftigt, weil sie auf eine sehr schöne und zugleich tiefgehende Weise mit einer Frage verbunden ist, die uns alle irgendwo betrifft: Was in unserem Leben ist wirklich von Wert? Was macht unser Leben so richtig wertvoll?

Diese Frage wirft kein anderer Planet besser auf als Venus.

Es ist ihr ungewöhnlich langer Lauf durch die Zeichen Waage und Skorpion in diesem Herbst, der uns darin unterstützt, auf diese Frage eine wahrhaftigere Antwort zu finden.

Die astrologischen Eckdaten sind wie folgt: Venus betritt am 10. September den Skorpion, wird dort am 3. Oktober auf etwa 8 Grad Skorpion rückläufig und wandert anschließend wieder zurück in die Waage. Am 13. November wird sie auf etwa 23 Grad Waage wieder direktläufig und setzt anschließend ihren Weg erneut in Richtung Skorpion fort. Erst am 7. Januar 2027 verlässt Venus den Skorpion endgültig – und das ist außergewöhnlich.

Wenn wir uns diesen Weg anschauen, erinnert er an einen besonderen Tanz, den Venus am Himmel veranstaltet. Venus läuft aus der Waage vorwärts in den Skorpion, kehrt im Skorpion nochmal zurück in die Waage, und setzt ihren Weg anschließend im Skorpion wieder fort.

Es ist, als führe uns Venus auf dieser Reise zurück …

… zu einem alten Thema, um etwas zu erkennen, das wir zuvor noch nicht sehen konnten. Diese Rückkehr bedeutet nicht unbedingt, dass wir in der Vergangenheit etwas falsch gemacht haben. Sie gibt uns vielmehr die Möglichkeit, noch einmal mit anderen Augen auf das Thema zu schauen, weil wir inzwischen nicht mehr dieselben sind wie damals.

Werfen wir nun einen gezielten Blick auf Venus in Waage und Venus im Skorpion, so könnten sie beide kaum unterschiedlicher sein. Sie sind für mich fast wie …

… zwei unterschiedliche Sprachen der Liebe.

Venus in Waage liebt die Begegnung. Sie sucht Harmonie, Ausgleich, Schönheit, Gemeinsamkeit und ein gutes Miteinander. Sie fragt: Wie können wir miteinander sein? Wie können wir uns begegnen, einen Ausgleich zwischen unseren Bedürfnissen finden, ohne einander zu verletzen? Wie können wir eine Beziehung so gestalten, dass sich beide Seiten darin wiederfinden? Und das ist eine wunderschöne Qualität der Venus in Waage.

Venus im Skorpion stellt dagegen andere Fragen. Sie möchte nicht nur wissen, wie wir miteinander sein können, sondern was wirklich zwischen uns ist. Was empfinde ich tatsächlich? Was empfindest du? Was liegt unter der Oberfläche? Was sprechen wir aus – und was nicht? Wo gibt es echte Verbundenheit und wo halten wir an etwas fest, weil wir Angst haben, es zu verlieren?

Wo also Venus in Waage den Ausgleich sucht, sucht Venus im Skorpion die Wahrheit. Genau deshalb empfinde ich die Frage „Was ist mir wirklich etwas wert?“ …

… als eine der zentralen Fragen in diesem Herbst.

Diese Frage bezieht sich natürlich nicht nur auf die Liebe und unsere Schlüsselbeziehungen. Venus steht ebenso für unsere Werte, für Geld, Besitz und materielle Ressourcen. Im Skorpion rücken dabei auch die gemeinsamen Ressourcen stärker in den Fokus: d.h. alles rund um Steuern, Schulden, Vermögensverhältnisse, Banken, Abhängigkeiten und auch um die Frage, wer eigentlich über welche Ressourcen und welche Machtverhältnisse verfügt.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass Venus in diesem Herbst gleich dreimal ein Quadrat zu Pluto im Wassermann bildet: zum ersten Mal Mitte September, ein zweites Mal während ihrer Rückläufigkeit etwa Mitte Oktober und ein drittes Mal Mitte Dezember, wenn Venus wieder vorwärts durch den Skorpion läuft.

Pluto verstärkt Themen wie Macht, Kontrolle und verborgene Strukturen …

… und kann tiefgreifende Veränderungen in Gang setzen. Deshalb könnten auf gesellschaftlicher Ebene in dieser Zeit Fragen stärker ins Bewusstsein rücken, bei denen es um die Verbindung von Geld und Macht, ungesunde Abhängigkeiten, Missbrauch und Korruption geht – oder auch um Strukturen, die lange im Verborgenen bestanden haben und nun zunehmend sichtbar werden. Auch Entwicklungen, die lange hinter den Kulissen vorbereitet wurden, könnten in dieser Zeit stärker in Erscheinung treten.

Wenn wir auf frühere Venus-Rückläufigkeiten zurückblicken, die ebenso in der Waage und im Skorpion stattgefunden haben, finden wir insbesondere …

… im Herbst 2010 und im Herbst 2018 interessante Resonanzen.

Im Herbst 2010, also genau zu jener Zeit, als ich selbst auf dem Jakobsweg unterwegs war, lief Venus vom Skorpion zurück in die Waage. Wenn ich heute darauf zurückblicke, finde ich diese zeitliche Parallele besonders interessant. Denn während sich in meinem eigenen Leben damals sehr viel um neue Begegnungen, Beziehungen und die Frage drehte, was mir wirklich wichtig ist im Leben, spiegelten sich ähnliche Themen auch auf einer ganz anderen Ebene wider.

Die Welt befand sich 2010 noch mitten in der Aufarbeitung der großen Finanzkrise von 2008. Es rückten Fragen in den Mittelpunkt, die sehr gut zu den Themen von Venus im Skorpion passen: Wem können wir vertrauen? Wer trägt Verantwortung? Wo entstehen ungesunde Abhängigkeiten, und welche Strukturen haben dazu geführt, dass eine solche Finanzkrise überhaupt entstehen konnte? So reagierte die US-Regierung in jenem Jahr mit einem umfassenden Bundesgesetz darauf, dem sogenannten Dodd-Frank Act, der damals eine grundlegende Reform des Finanzsystems vorsah. Banken und Finanzmärkte sollten damit stärker kontrolliert, …

… Risiken begrenzt und Verbraucher besser geschützt werden.

Acht Jahre später, im Herbst 2018, wiederholte sich die Venus-Rückläufigkeit erneut in den Zeichen Waage und Skorpion. Auch damals standen Themen wie Geldwäsche, Banken und die Verflechtung von Geld und Macht stark im öffentlichen Fokus. Ende November 2018 wurden beispielsweise Geschäftsräume der Deutschen Bank im Zusammenhang mit Ermittlungen zu Geldwäsche und den Panama Papers durchsucht.

Solche historischen Parallelen finde ich interessant, ohne daraus eine konkrete Vorhersage ableiten zu wollen. Astrologie bedeutet für mich nicht, dass eine bestimmte Konstellation automatisch ein bestimmtes Ereignis verursacht. Aber wir können beobachten, welche Themen sich in vergleichbaren Zyklen wiederholen. Und gerade die Spannungen von Venus im Skorpion zu Pluto in Wassermann, legen in diesem Herbst solche Themen rund um Geld, Macht, Abhängigkeit und verborgene Strukturen sehr nahe, …

… so auch die Aufdeckung dessen, was nicht länger verborgen bleiben kann.

Letztlich kann sich all dies auf gesellschaftlicher Ebene zeigen, aber genauso in unserem eigenen Leben. Denn auch wir tragen unsere eigenen kleinen verborgenen Systeme in uns. Wir wissen manchmal längst, dass beispielsweise etwas in unserem Leben nicht mehr stimmt, halten aber dennoch lange daran fest. Wir wissen vielleicht auch, dass eine Beziehung uns nicht mehr entspricht, scheuen aber die Konsequenz. Wir spüren durchaus, dass wir etwas verändern möchten, haben aber Angst davor, was wir verlieren könnten.

Und genau hier kommt in diesem Herbst Merkur hinzu. Am 7. Oktober treffen sich Merkur und die rückläufige Venus im Skorpion. Merkur wird am 24. Oktober auf etwa 20 Grad Skorpion selbst rückläufig und läuft bis zum 13. November auf 5 Grad Skorpion zurück, bevor er wieder direktläufig wird. Damit haben wir im Herbst zwei persönliche Planeten – Merkur und Venus –, die denselben astrologischen Bereich aktivieren und uns gewissermaßen auf unterschiedliche Weise mit der Frage konfrontieren: Was ist hier wirklich los?

Venus fragt: Was ist mir wirklich etwas wert?

Merkur fragt: Was weiß ich darüber – und was bin ich bereit, noch einmal genauer zu betrachten, neu zu bewerten, auszuloten, neu zu verhandeln oder auszusprechen?

Das kann eine ausgesprochen wichtige Zeit für Gespräche werden.

Dinge, die schon länger in uns arbeiten, können Worte bekommen. Ein Gespräch, das wir seit Wochen oder Monaten vor uns herschieben, kann plötzlich stattfinden. Eine Wahrheit, die wir längst kennen, möchte vielleicht endlich ausgesprochen werden. Oder wir erkennen, dass wir bisher gewisse Vorstellungen von etwas hatten oder etwas geglaubt haben, das wir nun noch einmal überprüfen müssen.

Gleichzeitig würde ich die Rückläufigkeit nicht als eine Zeit verstehen, in der wir möglichst schnell neue Entscheidungen treffen sollten. Die Rückläufigkeit lädt vielmehr dazu ein, noch einmal hinzuschauen, zu überprüfen und auch Dinge aus der Vergangenheit neu zu bewerten. Denn häufig erkennen wir erst im Nachhinein, …

… was wir aus einem solchen Prozess tatsächlich gelernt haben.

Genau an dieser Stelle verbindet sich die Venusbewegung mit einer sehr persönlichen Erfahrung aus meinem eigenen Leben. Es war im Herbst 2010. Ich hatte in der Zeit gerade meinen Job gekündigt, mein Auto verkauft und mir damit etwas ermöglicht, was ich mir schon lange gewünscht hatte: nämlich sechs Wochen auf dem Jakobsweg unterwegs zu sein.

Damals wusste ich noch nicht genau, was ich eigentlich suchte. Ich wusste nur, dass ich raus wollte. Raus aus meinem bisherigen Leben, raus aus den gewohnten beruflichen Strukturen und hinein in etwas, von dem ich noch nicht wusste, wohin es mich führen würde. Und wie es auf solchen Wegen manchmal ist, begegnen einem Menschen, die man vorher nicht kennt und mit denen sich innerhalb kürzester Zeit eine erstaunliche Nähe entwickeln kann.

So lernte ich damals auf dem Jakobsweg jemanden kennen, …

… zu dem ich in sehr kurzer Zeit einen tiefen Draht entwickelte. Es war eine dieser Begegnungen, bei denen man das Gefühl hat, einen Menschen schon viel länger zu kennen, obwohl man sich eigentlich erst vor wenigen Tagen begegnet ist.

Und ich glaube, viele von uns kennen solche Begegnungen: Menschen, die plötzlich in unser Leben treten und in uns etwas auslösen, für das wir zunächst gar nicht die richtigen Worte finden. Menschen, die uns auf eine Weise nahekommen, mit der wir selbst nicht gerechnet haben.

Und so erinnere ich mich noch gut an das Ende des Jakobswegs, als wir uns schließlich voneinander verabschieden mussten. Natürlich war da Schmerz über den Abschied. Doch ich wollte mir diese Gefühle nicht anmerken lassen. Ich wollte nicht erkennen lassen, wie viel mir diese Begegnung bedeutet hatte und wie tief sie mich getroffen hatte. Mich verletzlich zu zeigen, fiel mir damals schwer. Also hielt ich meine Gefühle zurück und ließ die Tränen erst zu, nachdem er abgereist war und ich wieder alleine war.

Einige Zeit später saß ich mit einem anderen Pilger zusammen, …

… und irgendwie kamen wir auf dieses Thema zu sprechen. Und dieser Pilger stellte mir nur eine einzige Frage: „Warum zeigst du nicht, was in dir ist?“ Mehr brauchte es nicht. Denn mit dieser einen Frage traf er genau den Punkt, den ich selbst lange nicht hatte sehen wollen. Und plötzlich brach alles aus mir heraus – eine regelrechte Lawine aus Tränen, die ich bis dahin zurückgehalten hatte.

Heute, viele Jahre später, erkenne ich in dieser Geschichte sehr deutlich die Qualität meiner eigenen Venus im Skorpion wieder. Denn ich selbst bin mit Venus im Skorpion geboren. Ich kann sehr tief fühlen und gleichzeitig lange Zeit Schwierigkeiten damit haben, …

… diese Tiefe auch nach außen zu zeigen.

Gerade wenn uns etwas so tief bewegt, kann es Angst machen, uns damit einem anderen Menschen zu zeigen. Denn in dem Moment, in dem wir unsere Gefühle wirklich offenbaren, geben wir auch einen Teil unserer Kontrolle ab. Wir machen uns verletzlich und geben dem anderen die Möglichkeit, uns genau dort zu berühren, wo wir besonders empfindsam sind.

Und so kann ausgerechnet das, wonach wir uns am meisten sehnen – nämlich tiefe Verbundenheit – zu etwas werden, vor dem wir uns gleichzeitig schützen möchten.

Viele Jahre später führte mich meine eigene Entwicklung noch einmal sehr viel tiefer an diesen Punkt zurück. Durch meine Erfahrung mit Iboga in Gabun – einer traditionellen Heilpflanze aus Zentralafrika, die mich in einen sehr tiefen inneren Prozess geführt hat – wurde mir schließlich eine alte Wunde bewusst, deren Ursprung viel weiter zurücklag, als ich damals auf dem Jakobsweg hätte erkennen können.

Wenn ich heute auf diese beiden Erfahrungen zurückblicke, …

… sehe ich darin einen gemeinsamen roten Faden: Manchmal braucht es eine Begegnung, eine Frage, einen Anstoß von außen oder einen tiefen inneren Prozess, damit etwas sichtbar werden kann, das wir lange geschützt und verborgen gehalten haben.

Und damit sind wir auch bei einer Frage, die für mich über diesem gesamten Venuszyklus stehen könnte: Wie können wir erwarten, tief geliebt zu werden, wenn wir nicht den Mut haben, einem anderen Menschen zu zeigen, was wirklich in uns ist?

Genau hier beginnt für mich die eigentliche Reise dieser Venus.

Denn ihre Rückläufigkeit lädt uns nicht einfach dazu ein, Vergangenes noch einmal zu betrachten. Sie führt uns vielmehr zurück zu Beziehungen, Entscheidungen und Werten, mit denen wir uns vielleicht schon einmal auseinandergesetzt haben – und eröffnet uns die Möglichkeit, sie aus einer neuen Perspektive zu verstehen. Was damals vielleicht noch verborgen oder nicht greifbar war, kann sich jetzt in einer tieferen Bedeutung zeigen.

Deshalb finde ich auch die Geschichte von Persephone als archetypisches Bild für diese Venusbewegung so passend. Persephone ist in der griechischen Mythologie die Tochter der Göttin Demeter. Sie wird von Hades, dem Gott der Unterwelt, in dessen Reich geführt und verbringt dort einen Teil des Jahres. Während ihre Mutter um sie trauert, zieht sich die Natur zurück, der Winter kehrt ein. Erst mit Persephones Rückkehr an die Oberfläche kann das Leben in Form des Frühlings wieder aufblühen.

Persephone steht damit für die Bewegung zwischen zwei Welten:

… zwischen Licht und Dunkelheit, Oberfläche und Tiefe, dem Sichtbaren und dem Verborgenen. Sie steigt hinab und kehrt verändert wieder zurück. Genau diese Bewegung erkenne ich auch in Venus im Skorpion. Wir gehen nicht in die Tiefe, um dort für immer zu bleiben. Wir gehen hinab, um etwas zu erkennen, das an der Oberfläche nicht sichtbar war.

Und wenn dann Venus ab Mitte November wieder direktläufig wird, nehmen wir etwas aus dieser Tiefe mit zurück ins Hier und Jetzt. Denn es geht nicht darum, in der Vergangenheit zu bleiben, sondern darum, aus ihr etwas Wertvolles mitzunehmen. Was uns vor einigen Jahren wichtig erschien, besitzt heute vielleicht nicht mehr denselben Wert. Eine Beziehung, an der wir lange festgehalten haben, kann plötzlich in einem völlig anderen Licht erscheinen.

Umgekehrt könnten wir auch im Rückblick erkennen, welchen Wert etwas für uns hatte – einen Wert, den wir damals noch nicht zu erkennen oder zu schätzen wussten.

Deshalb kann diese rückläufige Venus …

… eine ausgesprochen wertvolle Zeit der Evaluation sein, wenn wir uns die Zeit nehmen, genauer hinzuschauen. Genau darin liegt für mich auch eine der schönsten Seiten dieses Transits. Denn wenn Venus in Waage und Skorpion rückläufig wird, können wir nicht nur erkennen, was nicht mehr stimmt. Wir können auch erkennen, was uns wirklich etwas bedeutet. Welche Beziehungen sind tragfähig? Wo gibt es echte Gegenseitigkeit? Wem können wir vertrauen? Was möchten wir bewahren? Und wo haben wir uns vielleicht selbst zu lange zurückgehalten oder uns etwas vorgemacht?

Gerade in einer Zeit, in der auch gesellschaftlich …

… so viele Beziehungen zwischen Ländern unter Spannung stehen, finde ich diese Fragen besonders wichtig. So musste ich in den vergangenen Tagen beispielsweise auch an die gegenwärtig so schwierigen und eskalierenden deutsch-russischen Beziehungen denken. Dazu habe ich gerade auf dem YouTube-Kanal „ungeskriptet – by Ben“ ein Interview mit dem russischen Botschafter gesehen, das binnen 24 Stunden mehr als 2 Millionen Aufrufe hatte.

Ich erwähne das jetzt nicht, weil ich der Meinung bin, dass wir jede dort geäußerte Aussage teilen oder eine bestimmte politische Position übernehmen sollten. Vielmehr geht es mir um etwas Grundsätzlicheres: nämlich um die Bereitschaft, einen Raum zu eröffnen und Menschen zuzuhören, so wie Ben dies in seinem Gespräch mit dem russischen Botschafter getan hat, deren Perspektive sich vielleicht von der eigenen unterscheidet, …

… ohne sie deshalb vorschnell abzulehnen und als Gegner zu betrachten.

Denn genau darin sehe ich auch einen wesentlichen Unterschied zwischen der Symbolik von Waage und Skorpion. Der Skorpion kann, wenn seine Energie nicht bewusst gelebt wird, in ein Entweder-oder geraten: Schwarz oder Weiß, Freund oder Feind, für mich oder gegen mich, Liebe oder Ablehnung. Die Waage jedoch erinnert uns daran, dass zwischen diesen Polen unzählige Nuancen liegen. Der Waage-Anteil in uns möchte das Gegenüber mit einbeziehen, verstehen, abwägen und nach einer Form des Ausgleichs suchen.

Daher betrachte ich die lange Reise der Venus durch die Waage und den Skorpion in diesem Herbst als eine überaus spannende Reise. Sie führt uns nicht nur in die Tiefe, sondern anschließend auch wieder zurück in die Beziehung. Auf dieser Reise dürfen wir erkennen, was wirklich ist, ohne den anderen deshalb zum Feind machen zu müssen. Wir dürfen Dinge aussprechen, ohne den Dialog aufzugeben.

Wir dürfen Grenzen setzen und gleichzeitig menschlich bleiben.

Damit lädt uns dieser Venuszyklus ein, vor der Tiefe nicht zurückzuschrecken, aber auch nicht in ihr stecken zu bleiben. Denn gerade das Quadrat zu Pluto kann uns mit den dunkleren Seiten von Macht, Kontrolle, Angst und Polarisierung konfrontieren. Es kann sichtbar machen, wo Beziehungen von Abhängigkeit geprägt sind, wo Menschen versuchen, Macht über andere auszuüben oder wo Angst dazu führt, dass wir nur noch in Gegensätzen denken.

Und doch sollen wir meines Erachtens diesen Transit nicht als etwas betrachten, vor dem wir Angst haben müssten. Vielmehr sehe ich darin eine große Chance. Denn in dem Moment, wenn etwas sichtbar wird, was lange im Verborgenen lag, können wir damit arbeiten. Wenn wir erkennen, wo wir uns voneinander entfernt haben, entsteht überhaupt erst die Möglichkeit, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen.

Und gerade wenn wir auf unsere Geschichte schauen, dürfen wir dabei eines niemals aus den Augen verlieren:

Wohin führen uns Feindbilder, wenn wir sie nicht mehr hinterfragen?

Ein Kommentar unter dem erwähnten Interview hat mir die Antwort darauf deutlich vor Augen geführt. In dem Kommentar schrieb jemand sinngemäß: „Mein Großvater war im Krieg, mein Vater war im Krieg. Ich habe gesehen, was das mit Menschen macht. Und ich möchte nicht der Nächste in dieser Reihe sein.“

Ich finde, in diesem Satz liegt eine sehr einfache und zugleich sehr kraftvolle Erinnerung. Wir müssen unsere Geschichte kennen, gerade damit wir sie nicht wiederholen. Und genau darin sehe ich auch die besondere Qualität dieser Venus zwischen Waage und Skorpion: die Wahrheit anzuschauen, auch wenn sie unbequem ist, …

… ohne dabei die Fähigkeit zur Begegnung zu verlieren.

Denn die Waage allein kann manchmal zu lange harmonisieren und Konflikte vermeiden. Der Skorpion allein kann sich in Misstrauen, Kontrolle oder Schwarz-Weiß-Denken verlieren.

Aber miteinander können diese beiden Zeichen etwas sehr Wertvolles hervorbringen: die Bereitschaft, tief zu schauen und trotzdem im Dialog zu bleiben.

Auch die harmonischen Verbindungen von Sonne und Merkur in der Waage zu Uranus in den Zwillingen und Pluto im Wassermann im September bekräftigen diesen Gedanken auf eine sehr passende Weise. Sie bringen eine andere Qualität in diesen Herbst: Gespräche, neue Begegnungen, neue Perspektiven und die Möglichkeit, dass etwas, das schon länger in uns gearbeitet hat, plötzlich einen wahrhaftigeren Ausdruck findet.

Vielleicht stoßen wir auf Menschen, die uns eine neue Sichtweise eröffnen.

Vielleicht findet ein Gespräch statt, das eine festgefahrene Situation plötzlich verändert. Vielleicht erkennen wir, dass wir eine alte Geschichte bisher nur aus einer einzigen Perspektive betrachtet haben. Möglicherweise geht es auch um eine Entscheidung, bei der wir innerlich schon längst wissen, wohin die Reise geht, während unser Verstand weiterhin nach Gründen sucht, warum alles beim Alten bleiben sollte.

Auf etwas möchte ich an dieser Stelle noch hinweisen. Die Rückläufigkeit von Venus und Merkur lädt nicht unbedingt dazu ein, sofort zu handeln. Sie lädt vielmehr dazu ein, noch einmal genau hinzuschauen. Denn während wir mitten in einem solchen Prozess stehen, wissen wir oft noch gar nicht, was wir eigentlich gelernt haben. Erst wenn Venus und Merkur wieder direktläufig sind, erkennen wir oft, was sich in uns verändert hat.

Deshalb finde ich die Mitte des Monats November so spannend.

Wenn Venus und Merkur ab dem 13. November wieder direktläufig werden, beginnt sich langsam zu zeigen, was diese Zeit in uns bewegt hat und welche Erkenntnisse wir aus ihr mitnehmen. Was bleibt danach? Welche Beziehungen fühlen sich noch stimmig an – und welche haben ihre Aufgabe vielleicht erfüllt? Was möchte in unserem Leben neu gestaltet werden? Und wofür möchten wir unsere Zeit und Energie künftig wirklich einsetzen?

Deshalb möchte ich dir für diesen Herbst vor allem eine Frage mitgeben:

Fühl hinein: Was ist dir wirklich etwas wert? Was ist es, was dein Leben für dich wirklich wertvoll macht?

Nimm diese Frage gerne mit durch die kommenden Wochen. Schau auf deine Beziehungen, auf deine Entscheidungen, auf deine Werte, auf dein Geld und auch auf die Menschen, mit denen du dein Leben teilen möchtest.

Es geht in diesem Herbst möglicherweise gar nicht darum, dass etwas völlig Neues in unser Leben kommen muss. Vielleicht geht es vielmehr darum, klarer zu erkennen, was bereits da ist – und welchen Wert es für uns besitzt. Venus führt uns von der Waage in den Skorpion, zurück in die Waage und schließlich wieder in den Skorpion. Von der Begegnung in die Tiefe und aus der Tiefe wieder zurück in die Begegnung. Und wenn wir diesen Weg bewusst gehen, könnten wir am Ende nicht unbedingt mehr besitzen als zuvor, aber ein sehr viel klareres Gefühl dafür haben, was wir lieben, was uns wirklich wichtig ist …

… wo wir nicht länger gegen unsere eigene Wahrheit leben möchten.

Bevor ich mich für heute verabschiede, möchte ich dir noch kurz erzählen, wie es bei mir in den kommenden Wochen weitergeht. Ab Mitte September bis hinein in den Oktober werde ich mit meinen Seminaren in Deutschland sehr eingespannt sein. Danach werde ich mich zunächst noch eine Zeit lang in Köln aufhalten und anschließend in Irland unterwegs sein. Deshalb wird es von mir voraussichtlich erst wieder im November einen neuen Beitrag geben, wenn ich zurück auf Teneriffa bin und wieder etwas mehr zur Ruhe gekommen bin.

Meinen Newsletter werde ich natürlich weiterhin verschicken, so wie es meine Zeit erlaubt. Und weil mich in den vergangenen Monaten immer wieder die Frage erreicht hat, ob es meine schamanische Ausbildung und auch die Iboga-Retreats im kommenden Jahr wieder geben wird, möchte ich dazu noch einmal ganz klar sagen: Ja, beides ist in Planung.

Ich freue mich sehr darauf, diese Arbeit auch im kommenden Jahr fortzuführen. Die konkreten Termine für die schamanische Ausbildung und die Iboga-Retreats werde ich – wenn alles nach Plan läuft – bis zum Ende dieses Jahres veröffentlichen.

Nun wünsche ich dir für diesen Herbst …

… wertvolle Begegnungen, ehrliche Gespräche und den Mut, dich dort wirklich sehen zu lassen, wo du dich bisher vielleicht noch geschützt hast. Ich wünsche uns allen die Offenheit, auch schwierige Wahrheiten anschauen zu können, ohne dabei die Verbindung zueinander zu verlieren. Von Herzen alles Liebe für dich und bis ganz bald.