Meine Bwiti-Initiation
Manche Wege beginnen nicht mit einer Entscheidung,
sondern mit einem Lauschen.
Mit einem inneren Wissen, das keine Worte braucht.
Mit einem Ruf, der nicht drängt, sondern wartet.
Diese Seite ist keine Einladung zur Neugier und kein Bericht über eine „Erfahrung“. Sie ist ein geteiltes Erinnern. Ein stilles Erzählen von einem Weg,
der mich durch Angst, Wahrheit und schließlich in eine tiefere Aussöhnung geführt hat.
Iboga ist keine sanfte Pflanze im üblichen Sinne. Und doch wirkt sie jenseits von Härte. Sie führt dorthin, wo nichts mehr beschönigt werden kann – und wo gerade deshalb Heilung möglich wird. Nicht schnell, nicht spektakulär, sondern ehrlich, langsam und tief.
Was du hier liest, ist meine persönliche Geschichte. Sie steht nicht für ein Versprechen, sondern für ein offenes Herz, das teilt, was sich gezeigt hat, nachdem ich bereit war, wirklich hinzusehen.
Vielleicht liest du diese Zeilen, weil auch in dir etwas lauscht.
Vielleicht bist du einfach hier, ohne zu wissen warum.
Beides ist richtig.
Nimm dir gern Zeit.
Lass die Worte sinken.
Und folge nur dem, was sich für dich wahr anfühlt.

Meine Begegnung mit Iboga begann mit einem Traum.
In einer Nacht erschien mir ein Schamane. Ein dunkelhäutiger Mann, sein Gesicht weiß bemalt. Der Traum war klar, ruhig, eindringlich – und doch wusste ich damals nicht, was er mir sagen wollte. Ich trug ihn einfach in mir, ohne ihn deuten zu können, wie einen Samen, der noch Zeit braucht. Erst Wochen später begann sich sein Sinn zu öffnen. Ich stieß auf ein Video, in dem eine Frau von ihrer Heilerfahrung mit Iboga sprach. Während ich ihr zuhörte, spürte ich, wie etwas in mir antwortete. Nicht im Kopf, sondern tief im Körper. Die Themen, die sie bewegten, waren meine eigenen: die Angst vor der nackten, unverstellten Wahrheit – … und zugleich die tiefe Sehnsucht, ihr endlich zu begegnen.
Als ich begann, über Iboga zu forschen, sah ich plötzlich Bilder von Bwiti-Schamanen, die bei Initiationen ihr Gesicht weiß färben. In diesem Moment stockte mir der Atem. Ich erkannte das Gesicht aus meinem Traum. Die Puzzlestücke fügten sich. Und ich wusste: Dieser Traum war ein Ruf. Kein lauter Ruf, sondern ein stiller, unumgänglicher.
Zu dieser Zeit ging es mir äußerlich gut. Ich war gesund. Ich lebte meinen schamanischen Weg, der mich seit 2011 begleitete – geprägt von energiemedizinischen Lehren, vom peruanischen Andenschamanismus und von tiefen Erfahrungen mit Ayahuasca, der Pflanzenmedizin der Amazonas-Schamanen. Ich war angekommen, so schien es. Und doch gab es in mir eine Tiefe, die noch nicht gesehen war.
Während einer Reise durch Mexiko und Guatemala, hatte ich in einer Ayahuasca- Zeremonie eine Erfahrung gemacht, die mich nie wieder losließ. In einer Gruppe von etwa zwanzig Menschen, begleitet von einem Schamanen und einer Schamanin, lag ich mitten in der Nacht wach und betrachtete bewusst die inneren Bilder, die in mir aufstiegen. Plötzlich kam die Schamanin zu mir und legte schweigend ihre Hand auf mein Herz. Ich verstand nicht, warum. Sie sagte nichts und ich fragte auch nicht.
Am nächsten Morgen erzählte sie, sie habe in der Nacht innerhalb unserer Gruppe den Schrei eines Kindes gehört. Als sie sich im Raum umsah, habe sie erkannt, dass dieser Schrei von mir ausging. Deshalb sei sie zu mir gekommen und habe ihre Hand auf mein Herz gelegt.
Damals wusste ich nicht, was dieser Schrei bedeutete. Aber ich spürte, dass er wahr war. Und ich spürte, dass es eine Wahrheit in mir gab, die noch auf mich wartete. Etwas Altes und Verletztes, das eines Tages gesehen werden wollte.


Iboga führte mich genau dorthin.
Im Bwiti gilt Angst nicht als Feind. Angst ist das Tor zur Erkenntnis. Sie ist der letzte Wächter vor der Wahrheit. Angst entsteht dort, wo wir nichts mehr verstecken können. Wo Masken fallen. Wo wir uns selbst begegnen. So führte mich meine Reise schließlich nach Gabun, der Heimat von Iboga, auf eine authentische Initiation in die Tradition der Bwiti-Schamanen. Bei dieser Initiation wurden Außenstehende, wie ich es war, und Einheimische gleichermaßen initiiert, so z.B. auch die Tochter des Schamanen, die im Bild rechts neben mir sitzt.
Die Erfahrung mit Iboga war nicht sanft im tröstenden Sinne. Aber sie war klar, roh und unverfälscht. Sie zeigte mir eigene Wunden, familiäre Lasten sowie tiefe seelische Zusammenhänge. Und sie führte mich zum Schrei des Kindes in mir, zu seinem Ursprung. Ich konnte das Kind sehen. Ich konnte es hören und in aller Deutlichkeit erkennen, was den Schrei ausgelöst hatte.
In den Wochen danach habe ich viel geweint, leise und unaufhaltsam. Nicht aus Verzweiflung, sondern aus Tiefe. Die Tränen kamen wie ein inneres Schmelzen. Gleichzeitig suchte ich das Gespräch mit wichtigen Bezugspersonen in meinem Leben. Gespräche, die lange gewartet hatten – ehrlich, verletzlich und klärend.
So konnte sich der Schmerz nach und nach lösen. Nicht auf einmal, sondern in Wellen – durch Worte, durch Zuhören, durch Dasein. Durch das Zulassen dessen, was so lange keinen Raum hatte. Und langsam, ganz langsam, fand ich in die Aussöhnung – mit meiner Geschichte, mit anderen, mit mir selbst.


Während der Initiation selbst erlebte ich eine tiefe Stille.
Und ein Gefühl von Sinn und innerer Ordnung, das sich nicht erklären lässt (von der Initiation selbst habe ich keine Fotos, nur von der Vorbereitung, da das Fotografieren während der Initiation nicht erlaubt ist). Zudem empfing ich – wie dies bei Initiationen üblich ist – meinen Bwiti-Namen: Kanga.
Kanga ist die Kraft, die dich zusammenhält, wenn dir Iboga deine Wahrheit zeigt. Kanga hält dich wach, gesammelt und im Körper. Es ist die Fähigkeit, dazubleiben. Zu sehen, ohne dich zu verlieren.
Die Ältesten sagen: Iboga lügt nicht – aber nur wer Kanga hat, kann zuhören.
Kanga wächst nicht durch Wissen oder spirituelle Konzepte. Es wächst durch das Durchstehen, durch das Bleiben, durch ehrliche Konfrontation mit Angst, Schuld, Scham und Verlust. Nach einer Initiation erkennt man Kanga daran, ob jemand stiller wird, klarer und wahrhaftiger und ob Verantwortung übernommen wird. Sonst war es nur eine Erfahrung – keine Initiation.
Diese Erfahrung hat mich verändert – still und tief.
Durch sie konnte ich einen tiefen Seelenschmerz erlösen und dadurch Raum schaffen für ein neues Erkennen meines Lebensweges. Iboga zeigte mir nicht nur, wie meine künftige Lebenslandschaft gestaltet sein sollte, sondern forderte mich auch auf, meine Iboga-Erfahrungen mit anderen Menschen zu teilen und sie auf ihrer Selbsterfahrungsreise zu begleiten.
Wenn du dich selbst von Iboga gerufen fühlst, begegne ich dir gern persönlich. In einem kostenfreien Erstgespräch nehme ich mir Zeit, um dich achtsam auf diese mögliche Reise einzustimmen und gemeinsam zu schauen, ob und wie dieser Weg für dich stimmig ist.
Die Bwiti sagen: Angst ist das Tor. Erkenntnis ist das Land dahinter. Vielleicht ist es auch Zeit für dich, dein eigenes Land zu betreten.
