Meine Bwiti-Initiation


Manchmal spüren wir, dass uns etwas ruft, lange bevor wir verstehen, worum es dabei geht. So war es auch auf meinem Weg zur Bwiti-Initiation.

Meine Initiation fand in Gabun statt, gemeinsam mit der Tochter des Schamanen und anderen Einheimischen. Es war eine traditionelle Zeremonie, fernab jeder Inszenierung für Touristen. Die Erfahrung war intensiv und führte mich weit über meine Komfortzone hinaus. Erst dadurch konnte ich beginnen, jene Widerstände loszulassen, die mich so lange davon abgehalten hatten, meiner eigenen Dunkelheit zu begegnen.

Jede Iboga-Erfahrung ist einzigartig, so individuell wie der Mensch selbst. Ich habe den Pflanzengeist so erlebt, dass er uns selten das gibt, was wir uns wünschen, sondern uns vielmehr mit dem konfrontiert, was wir brauchen.

Dazu passend sagen die Bwitis: „Die Angst ist der letzte Wächter vor der Wahrheit.“ Durch meine Initiation hat dieser Satz für mich eine ganz eigene Bedeutung bekommen. Denn erst wenn wir aufhören, uns gegen das zu wehren, was in uns gesehen werden möchte, können unsere inneren Mauern fallen. Erst dann begegnen wir auch jenen Anteilen von uns, vor denen wir lange geflüchtet sind.

Für mich liegt darin die wahre Kraft der Wandlung: unseren Wunden nicht länger auszuweichen, sondern ihnen mit Offenheit zu begegnen. Denn wenn wir den Mut finden, auch das Dunkle in uns anzunehmen, kann aus Schmerz neue Kraft erwachsen – und aus dem Erkennen ein wahrhaftigeres Leben.

Was ich hier teile, ist meine ganz persönliche Erfahrung – kein Versprechen und kein Weg, der für jeden Menschen derselbe sein muss, sondern ein Einblick in das, was sich mir gezeigt hat, als ich bereit war, mein Herz zu öffnen und wirklich hinzusehen.

Vielleicht berühren dich diese Zeilen, weil auch du etwas in dir spürst, das gesehen werden möchte. Vielleicht bist du einfach nur hier, ohne genau zu wissen, warum. Beides ist in Ordnung. Nimm dir gern Zeit, lass die Worte auf dich wirken und folge nur dem, was sich für dich wahr anfühlt.

Meine Begegnung mit Iboga begann mit einem Traum.

In einer Nacht erschien mir ein Schamane: ein dunkelhäutiger Mann, sein Gesicht weiß bemalt. Der Traum war klar, ruhig, eindringlich – und doch wusste ich damals nicht, was er mir sagen wollte. Ich trug ihn einfach in mir, ohne ihn deuten zu können, wie einen Samen, der noch Zeit braucht. Erst Wochen später begann sich sein Sinn zu öffnen. Ich stieß auf ein Video, in dem eine Frau von ihrer Heilerfahrung mit Iboga sprach. Während ich ihr zuhörte, spürte ich, wie etwas in mir in Resonanz ging, nicht im Kopf, sondern tief in meinem Körper. Ich erkannte dabei, dass die Themen, die sie bewegten, meine eigenen waren: die Angst vor der nackten, unverstellten Wahrheit – … und zugleich die tiefe Sehnsucht, ihr endlich zu begegnen.

Als ich dann begann, tiefgründiger über Iboga zu forschen, sah ich in diversen Beiträgen plötzlich Bilder von Bwiti-Schamanen, die bei Initiationen ihr Gesicht weiß färben. In diesem Moment stockte mir der Atem, denn in diesen Bildern erkannte ich das Gesicht, das mir einst in meinem Traum erschienen war.  So fügten sich die Puzzlestücke und ich wusste: Dieser Traum war ein Ruf – kein lauter Ruf, sondern ein stiller, unumgänglicher.

Zu dieser Zeit ging es mir äußerlich gut. Ich war gesund. Ich lebte meinen schamanischen Weg, der mich seit 2011 begleitete – geprägt von energiemedizinischen Lehren, vom peruanischen Andenschamanismus und von tiefen Erfahrungen mit Ayahuasca, der Pflanzenmedizin der Amazonas-Schamanen. Ich war angekommen, so schien es. Und doch gab es in mir eine Tiefe, die noch nicht gesehen war.

Während einer Reise durch Mexiko und Guatemala, hatte ich in einer Ayahuasca- Zeremonie eine Erfahrung gemacht, die mich nie wieder losließ. In einer Gruppe von etwa zwanzig Menschen, begleitet von einem Schamanen und einer Schamanin, lag ich mitten in der Nacht wach und betrachtete bewusst die inneren Bilder, die in mir aufstiegen. Plötzlich kam die Schamanin zu mir und legte schweigend ihre Hand auf mein Herz. Ich verstand nicht, warum. Sie sagte nichts und ich fragte auch nicht.

Am nächsten Morgen erzählte sie, sie habe in der Nacht innerhalb unserer Gruppe den Schrei eines Kindes gehört. Als sie sich im Raum umsah, habe sie erkannt, dass dieser Schrei von mir ausging. Deshalb sei sie zu mir gekommen und habe ihre Hand auf mein Herz gelegt.

Damals wusste ich nicht, was dieser Schrei bedeutete. Aber ich spürte, dass er wahr war. Und ich spürte, dass es eine Wahrheit in mir gab, die noch auf mich wartete. Etwas Altes und Verletztes, das eines Tages gesehen werden wollte.

Iboga führte mich genau dorthin.

Im Bwiti gilt Angst nicht als Feind. Angst ist das Tor zur Erkenntnis. Sie ist der letzte Wächter vor der Wahrheit. Angst entsteht dort, wo wir nichts mehr verstecken können, wo Masken fallen, wo wir uns selbst begegnen. So führte mich meine Reise schließlich nach Gabun, der Heimat von Iboga, auf eine authentische Initiation in die Tradition der Bwiti-Schamanen. Bei dieser Initiation wurden Außenstehende, wie ich es war, und Einheimische gleichermaßen initiiert. Von der Initiation selbst habe ich keine Fotos, nur von der Vorbereitung, da das Fotografieren während der Initiation nicht erlaubt ist.

Die Erfahrung mit Iboga war nicht sanft im tröstenden Sinne. Aber sie war klar, roh und unverfälscht. Sie zeigte mir eigene Wunden, familiäre Lasten sowie tiefe seelische Zusammenhänge. Und sie führte mich zum Schrei des Kindes in mir, zu seinem Ursprung. Ich konnte das Kind sehen. Ich konnte es hören und in aller Deutlichkeit erkennen, was den Schrei ausgelöst hatte.

In den Wochen danach habe ich viel geweint, leise und unaufhaltsam. Nicht aus Verzweiflung, sondern aus Tiefe. Die Tränen kamen wie ein inneres Schmelzen. Gleichzeitig suchte ich das Gespräch mit wichtigen Bezugspersonen in meinem Leben. Gespräche, die lange gewartet hatten – ehrlich, verletzlich und klärend.

So konnte sich der Schmerz nach und nach lösen. Nicht auf einmal, sondern in Wellen – durch Worte, durch Zuhören, durch Dasein. Durch das Zulassen dessen, was so lange keinen Raum hatte. Und langsam, ganz langsam, fand ich in die Aussöhnung – mit meiner Geschichte, mit anderen, mit mir selbst.

Während der Initiation selbst erlebte ich eine tiefe Stille.

Und ein Gefühl von Sinn und innerer Ordnung, das sich nicht erklären lässt. Zudem empfing ich – wie dies bei Initiationen üblich ist – meinen Bwiti-Namen: „Kanga“.

Kanga ist die Kraft, die dich zusammenhält, wenn dir Iboga deine Wahrheit zeigt. Kanga hält dich wach, gesammelt und im Körper. Es ist die Fähigkeit, dazubleiben. Zu sehen, ohne dich zu verlieren.

Die Ältesten sagen: Iboga lügt nicht – aber nur wer Kanga hat, kann zuhören.

Kanga wächst nicht durch Wissen oder spirituelle Konzepte. Es wächst durch das Durchstehen, durch das Bleiben, durch ehrliche Konfrontation mit Angst, Schuld, Scham und Verlust.

Nach einer Initiation zeigt sich Kanga darin, ob ein Mensch stiller, klarer und wahrhaftiger wird – und ob er den Mut findet, aus seinen Erkenntnissen konkrete Schritte folgen zu lassen, Verantwortung für sein Leben zu übernehmen und seinen Weg bewusst zu gestalten. Denn Erkenntnis allein verändert noch nichts. Entscheidend ist, was wir daraus machen. Sonst war es nur eine Erfahrung – keine Initiation.

Diese Erfahrung hat mich verändert – still und tief.

Durch sie konnte ich einen tiefen Seelenschmerz erlösen und dadurch Raum schaffen für ein neues Erkennen meines Lebensweges. Iboga zeigte mir nicht nur, wie meine künftige Lebenslandschaft gestaltet sein sollte, sondern forderte mich auch auf, meine Iboga-Erfahrungen mit anderen Menschen zu teilen und sie auf ihrer Selbsterfahrungsreise zu begleiten.

Wenn du dich selbst von Iboga gerufen fühlst, begegne ich dir gern persönlich. In einem kostenfreien Erstgespräch nehme ich mir Zeit, um dich achtsam auf diese mögliche Reise einzustimmen und gemeinsam zu schauen, ob du dich bereit fühlst, diesen Weg zu gehen.

Die Bwiti sagen: Angst ist das Tor. Erkenntnis ist das Land dahinter. Vielleicht ist es auch Zeit für dich, dein eigenes Land zu betreten.

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Iboga-Retreats

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